HUMANKAPITAL ENPACT: CO-FOUNDER MATTHIAS TRAUTWEIN IM INTERVIEW

Hu·man·ka·pi·tal
/Humánkapital/
Substantiv, Neutrum [das]WIRTSCHAFT
Arbeitsvermögen; Gesamtheit der wirtschaftlich verwertbaren Fähigkeiten, Kenntnisse und Verhaltensweisen von Personen oder Personengruppen

Ab heute stellen wir euch in unserem neuen Format “Humankapital” jeden Monat ein Team, Member oder Mitarbeiter*in aus unserer St. Oberholz Community vor. Mit diesem Projekt wollen wir das Fundament unserer Orte, die Geschichten unserer Community mit euch teilen.

Matthias Trautwein, Co-Founder & Managing Director enpact e.V.

Matthias, was genau ist enpact, wer arbeitet bei euch und was treibt ihr täglich so bei uns im brandneuen St. Oberholz Space in der Torstraße?

Wir sind eine non-profit NGO mit Hauptsitz in Berlin, haben aber Mitarbeiter auf der ganzen Welt. Zum Beispiel sitzen unsere Kollegen*innen in Kairo, Jakarta, Mexiko-Stadt, Nairobi, Accra, Stockholm und Lausanne, denn wir nehmen flexibles Arbeiten, von wo und wann man möchte, sehr ernst.

Unser Hauptanliegen ist seit sieben Jahren die Förderung von Unternehmertum und jungunternehmerischen Ökosystemen als Instrument in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Angefangen hat alles mit einem ersten Mentoring Programm in Ägypten und Tunesien. Darin standen erfahrene Gründer*innen aus Deutschland und Europa den teilnehmenden, jungen Gründer*innen aus den Projektländern zur Seite. Seitdem haben sich daraus sehr viele neue Produkte und Projekte organisch entwickelt.

Welche Projekte sind das?

Unsere Arbeit unterteilt sich in drei Geschäftsbereiche:

Zum einen unser Entrepreneurial Support, bei dem wir junge Gründer*innen in Schwellenländern mit einer Kombination aus Mentoring, Workshops, dem Zugang zu Netzwerken und Finanzierung direkt unterstützen.

Dann unser Organizational Support, den man wie eine Art Selbsthilfegruppe für Organisationen verstehen kann, die Gründertum unterstützten. Durch Bootcamps, gemeinsames aktives Designen und Entwickeln von Programmen lernen sich die Teilnehmer*innen kennen, lernen von- und miteinander und bauen zudem Vertrauen zueinander auf

Außerdem betreiben in unserem Bereich Data & Research die Analyse von städtischen unternehmerischen Ökosystemen, aus denen wir Handlungsempfehlungen für die verschiedenen Stakeholder entwickeln.

In allen Bereichen verfolgen wir immer das Ziel, dass sich die Akteure aus allen Bereichen und Sektoren gegenseitig kennenlernen und gemeinsam etwas entwickeln. Ein tolles Ergebnis bei einem unserer Designers‘ Labs aus dem Portfolio des Organizational Support war beispielsweise ein erster gemeinsamer Hackathon zivilgesellschaftlicher Akteure im Irak, aus dem sich die Gründung eines gemeinsamen Startup-Verbands weiterentwickelte. Zuvor hatten sich die unterschiedlichen Organisationen misstrauisch gegenübergestanden.

Wie lange war die Idee zu gründen schon in deinem Kopf bevor es dann losging?

Ich habe ja nicht alleine gegründet – sondern mit meinem Mitgründer Dr. Sebastian Rubatscher.
Kennengelernt haben wir uns bei dem erwähnten Mentoring Projekt in Ägypten und Tunesien. 1,5 Jahre haben wir dort zusammen gearbeitet und wir haben über die Zeit gemerkt wie unglaublich viel Potential in diesem Projekt steckt. Als der Träger die Zusammenarbeit beenden wollte, der Geldgeber und wir uns aber einig waren weiterzumachen, haben wir die Chance genutzt und unseren Verein gegründet.

Das sind natürlich sehr „angenehme“ Gründungsumstände, oder?

Ja, in der Tat. Wir haben den Input des ersten Projektes direkt aufgreifen können und dazu noch das Glück gehabt, die Investoren direkt an unserer Seite zu haben. Die fanden es auch super, dass das Projektteam das Gleiche geblieben ist.

Ich bin ja immer skeptisch, wenn jemand den eigenen Erfolg allein darauf beschränkt zu sagen „Ich hatte da eine geniale Idee“. Denn meistens ist es auch einfach eine Kombination aus dem richtigen Moment, viel harter Arbeit, aber eben auch ein paar anderen glücklichen Umständen. So war es zumindest bei uns.

Du hast wohl Glück gehabt mit deinem Co-Founder. Was würdest du potenziellen Gründer*innen für Tipps geben. Wie findet man denn das ‚perfect match‘?

Einen Mitgründer zu finden ist das Beste und Anstrengendste. Rückwirkend sehe ich die Art und Weise wie Sebastian ich zueinander kamen als sehr günstige Konstellation. Wir teilen die gleiche Art von Humor, waren aber bevor wir zusammen gearbeitet haben nicht persönlich miteinander bekannt oder befreundet und verfügen über sehr komplementäre Kompetenzen.

Das ist meines Erachtens, zusammen mit einem fortlaufenden kreativen Konflikt und der Fähigkeit zum kritischen Diskurs sehr wichtig. Wenn man sich von Anfang an immer einig ist, fehlen die verschiedenen Blickwinkel und Perspektiven, als auch die nötige Reibung, die für ein erfolgreiches Venture absolut notwendig sind. Wo man diese Person jetzt finden mag, kann ich nicht sagen. Ich weiß nur, dass die Chemie stimmen muss. Das kann überall passieren.

Mal abgesehen von deinem Co-Founder, wer oder was ist deine größte Stütze?

Verschiedene Sachen. Das lernt man auch erst mit der Zeit. Ich habe eine Familie mit zwei kleinen Kindern, die auch in unserer Anfangszeit geboren wurden. Ein*e Partner*in, die/der dir dabei den Rücken freihält, ist für mich unglaublich wichtig. Manchmal wird man vom Anderen getragen und manchmal trägt man den Anderen…. Dieses Prinzip des Tragens und Getragen Werdens gilt für mich generell für alle zwischenmenschlichen Beziehungen.

Vision, Mut und Willenskraft sind bei niemandem jeden Tag zu 100% da. Deshalb gibt dieses gegenseitige Tragen und Unterstützen mir unendlich viel Kraft.

Ein weiterer wahnsinnig motivierend wirkender Antrieb sind bei uns die Geschichten und Projekte unsere Teilnehmer*innen. Wir arbeiten in der Entwicklungszusammenarbeit und in vielen unserer Projektländer gibt es ungleich viel schwierigere Rahmenbedingungen, legale Fallstricke und generell größere Herausforderungen als bei uns zu meistern. Wenn ich uns dann manchmal jammern höre und es mit den Ländern mit denen wir zusammen arbeiten vergleiche – da kommt die Motivation direkt wieder zurück. Denn was die Menschen dort vor Ort mit einer unglaublichen Energie, Enthusiasmus und Kreativität leisten, ist schon beeindruckend – da würden wir oft schon alle heulend wegrennen. Der Impact den wir dort schaffen, treibt mich deshalb wohl am meisten an. Zu sehen wie unter den Teilnehmer*innen Freundschaften und sogar Beziehungen und auch Babys (lacht) entstehen, ist wirklich unglaublich belohnend.

Warum habt ihr Coworking als Arbeitsmodell gewählt?

Wir haben verschiedenste Modelle ausprobiert und ich glaube es ist immer sinnvoll, wenn man mit offenen Augen und Ohren durchs Leben geht. Es gibt Zeiten, in denen es sinnstiftend ist an Orten des Austauschs wie in einem Coworking zu sein. Genauso gibt es aber auch wieder Zeiten, in denen man sich wie eine Schildkröte zurückziehen sollte, um ganz intensiv an seinen Ideen zu arbeiten. Ich glaube, das ist ein Balanceakt, den man für sich selbst hinkriegen muss. Wenn man nur noch in Coworking, Events und Wettbewerben unterwegs ist, bleibt keine Zeit mehr für die eigentliche kreative Arbeit.

Misserfolge kennen wir wohl alle. Egal ob Gründer*innen oder nicht.
Was ist dein Learning aus den letzten sieben Jahren?

Auch in den schwersten Zeiten, muss man sich auf das konzentrieren, was gerade Positives passiert. Das fällt dann aber sauschwer (lacht). Selbst wenn der Arsch auf Grundeis geht und man nichts Positives findet, muss man Ruhe bewahren, reflektieren und sich überlegen „Hey, was kann ich daraus lernen?“.

Es hilft dann auch, nicht ganz allein zu sein, sonst geht das Kopfkino ganz schnell an. Dabei helfen mir mein Mitgründer, die Kollegen, Freunde und Partner. Das Schlimmste, was man machen kann, ist sich selbst nicht eingestehen, dass man gerade überfordert ist und Hilfe braucht.

Vorletzter Frage, Matthias: Auf was freust du dich am meisten, wenn du ins Büro kommst?

Eigentlich gibts es da nichts Bestimmtes. Wobei, doch. Meistens freue ich mich immer auf eine bestimmte Sache : etwas Leckeres zu trinken, egal ob Tee oder Kaffee.

Und wie trinkst du deinen Kaffee am liebsten?

Schwarz. Und gerne auch einen klassischen, deutschen Filterkaffee. Der wird nämlich viel zu oft unterschätzt.

 

 

enpact e.V. sitzt aktuell in unserem Flex Office Space in der Torstraße 49.

Noch mehr vom enpact e.V. hier.

St. Oberholz im aktuellen Handelsblatt Journal

„Die Karten werden neu gemischt“, heißt es auf dem Titel des neuen Handelsblatt Journals, einer Spezialausgabe zum Thema Immobilienwirtschaft. Auch das St. Oberholz ist hier mit einem Statement dabei, in dem es um die Veränderung der Arbeitswelt geht. „Je ortsunabhängiger Arbeit organisiert wird, um so mehr wird die echte Begegnung an Bedeutung gewinnen“, sagen Ansgar Oberholz und Malte Sudendorf voraus:

Den vollständigen Artikel könnt ihr HIER kostenlos herunterladen.

Die komplette Ausgabe des Handelsblatt Journals findet ihr HIER.

Coworking during Lockdown

Liebe Member,

ab Montag, 2. November gilt vorerst für all unsere Coworking Spaces:

Wir bleiben weiterhin 24/7 für euch geöffnet.

Wir appellieren an eure Eigenverantwortung:

Haltet Abstand.
Tragt eure schicken Masken.
Wascht und desinfiziert regelmäßig eure Hände.
Lüften, lüften, lüften!
(beim Verlassen Fenster schließen nicht vergessen)

Wir werden uns bemühen in einem Rotationssystem regelmäßig für euch da zu sein um z.B. euren Kaffee- und Teebestand checken.

Helft uns mit einer kurzen Nachricht über den Support Channel, wenn etwas fehlt, nachgefüllt oder in Ordnung gebracht werden muss.

* BPART
Jules Café: Bis auf Weiteres geschlossen.
Sportangebot: Bis zum 1. Dezember finden keine Kurse statt, das Sportareal wird geschlossen
Exhibition: Bis auf Weiteres geschlossen.

*Unsere Cafés am Rosenthaler Platz, in der Zehdenicker Straße und Torstraße sind ab kommenden Montag nur für TAKE AWAY geöffnet.

Unsere neuen Öffnungszeiten für euch
ROS/ZEH/TOR

Mo-Fr 8-16
Sa 9-16
So 10-16

Drinks & Food

Wenn es euch auch nur im Geringsten nicht gut geht, macht es euch bitte im Homeoffice gemütlich, trinkt Ingwertee, deckt euch mit Kerzen, Kürbissen und good vibes ein.

Lasst uns alle das Beste aus der aktuellen Situation machen.

Much Love
Euer St. Oberholz Team

St. Oberholz übernimmt digitale Bürovermittlungsplattform BerlinStartupOffices

Der Online-Marktplatz berlinstartupoffices.com wird seit kurzem von St. Oberholz betrieben. Interessenten finden hier Coworking Venues, Team Offices und einzelne Arbeitsplätze in Bürogemeinschaften. Die flexiblen Büroflächen können individuell angemietet oder zur externen Vermietung inseriert werden. Die Nutzung der Online-Plattform BerlinStartupOffices ist kostenfrei.

“Ich freue mich, dass wir bereits im September diesen Jahres die Plattform BerlinStartupOffices übernehmen durften. Wir werden die Seite weiter ausbauen, um eine unkomplizierte Variante für kleine Organisationen für die Suche oder das Anbieten von Büroflächen zu ermöglichen. Für St. Oberholz ein guter komplementärer Service zu unseren Kernprodukten. Ich bin dankbar über die Möglichkeit und das Vertrauen der Gründer das Projekt mit unserem Team fortführen zu dürfen”, sagt Ansgar Oberholz, Pionier der internationalen Coworking Szene und Co-Founder des St. Oberholz.

Besonderer Dank gilt den beiden Gründern Florian Purchess und Daniel Frese, die mit BerlinStartupOffices einen sehr nützlichen Service ins Leben gerufen haben, der über die Jahre unzählige Unternehmern bei der Untervermietung, Wiedervermietung oder der erfolgreichen Suche attraktiver Büroflächen unterstützt hat.

Das St. Oberholz am Rosenthaler Platz in Berlin-Mitte feierte dieses Jahr sein 15-jähriges Bestehen und gilt seither als Coworking (Flex Office) Pionier in Europa.

Pressekontakt

Nora Durstewitz
Head of Marketing
nora@sanktoberholz.de

Liebesbeziehungen zu Hockern und wie man sich ein zu Hause an jedem Ort in Berlin erschaffen kann

Koulla Louca, Co-Founder St. Oberholz im seltenen Gespräch mit Anja Prinz

Auf das Gespräch heute freue ich mich sehr. Koulla ist der weibliche Part in der St. Oberholz Geschichte. Koulla selbst liebt es aus dem Hintergrund heraus zu agieren – ihre Handschrift ist für jede*n Besucher*in ganz sichtbar: In der Gestaltung der Räume.
Wenn sie selbst einen Raum betritt, fällt auf, dass dies sehr leise geschieht. Und doch kommt man nicht umhin sie wahrzunehmen. Wir setzen uns an diesem sommerlichen Tag ins Café und vergessen das Geschehen um uns sehr schnell.

Wann hast du angefangen dich mit Räumen zu beschäftigen?
K: Die Art von Räumen von denen wir hier sprechen hat etwas mit der Sehnsucht meiner Kindheit zu tun. Ich bin eher zwischen Umzugskisten aufgewachsen. Wir waren nie länger als zwei Jahre an einem Ort und für meine Eltern war das Gestalten von Räumen nicht wirklich wichtig. Ich jedoch träumte von schönen Räumen und Orten, die in ihrer Beständigkeit und Geborgenheit ein zu Hause sind. Immer schon habe ich mir jeden Platz, auch wenn er noch so klein war, mit einfachsten Mitteln und Möglichkeiten zu meinem eigenen gemacht, um Halt zu finden. So werden Räume zu einem zu Hause für mich.

Mich berührt die Bedeutung, die du da beschreibst…

K: Die Dinge, die mich umgeben, sind sehr bedeutend. Es ist wichtig für mich ein zu Hause zu formen, daher habe ich sehr früh mein Elternhaus verlassen, um selber Räume prägen zu dürfen. Wie du weisst, zog es mich nach Berlin.

Ja. Wir haben vor einiger Zeit ein kleines Porträt von dir für einen Berlin-Guide umgesetzt. Deine dort beschriebene Liebe zu unserer Stadt war einzigartig, weil so echt.

K: Berlin… Ich war als Teenager zweimal zu Besuch in der Stadt und danach bin ich hergezogen. Die Stadt war ein Spielfeld der Improvisation und des Erfindens. Ich fühlte mich so berührt und bestätigt. Vieles von dem, was ich in meiner Anfangszeit in meine Wohnung gebracht habe, kam vom Flohmarkt oder von der Straße – Fundstücke eben.

Das dachte ich immer auch von den Räumen, die ihr „erschaffen“ habt. Sie spiegeln für mich nicht wirklich eine durchdachte Ästhetik wieder. Sie erzählen eher eine private Vision…

K: Wir haben unsere Läden immer auch so gestaltet wie wir ganz persönlich mögen würden. Und am Ende auch wie wir selbst leben. In meiner Wohnung würdest du ständig Zitate unserer öffentlichen Räume entdecken und umgekehrt. Es gibt Stücke, die sind mir persönlich wertvoll, auf die achte ich sehr. Ich kann zu Gegenständen eine tiefe Verbindung entwickeln. (lacht)

Würdest du eines dieser Stücke „enttarnen“?

Es gibt einen Hocker, den habe ich für die Zehdenicker Straße gefunden und in den habe ich mich zu sehr verliebt. Nach der Eröffnung schnappte ich ihn mir und trug ihn nach Hause. Aber dieser Hocker wandert immer von Projekt zu Projekt und findet da seinen Platz, wo wir etwas Neues beginnen. Wie ein Glücksbringer. Zwischendurch muss er aber immer wieder nach Hause in den sicheren Hafen.

Dann ist dieser Hocker ja so etwas wie ein Schatz oder wie ein Hausgeist, der die neuen Oberholz-Räume mit den alten verbindet…

Ein schönes Bild. In all den Jahren haben wir unterschiedliche Konzepte in unseren Häusern umgesetzt. Einige Jahre auch die Vermietung von Appartements. Wie das dann oft so ist, fehlt am Ende bei der Innengestaltung immer etwas Budget. Bei jedem Apartment kamen wir an diesen Punkt und dann kam unser privates Sofa zum Einsatz. In jedem Appartement stand also für eine gewisse Zeit unser Sofa und im Laufe der Jahre gab es ein ständiges Hin und Her. Möbelstücke aus unserer Wohnung wanderten in unsere Projekte und zurück. Sehr lustig, denn wir sind unseren eigenen Möbeln rund um die Uhr begegnet. Ansgar und ich waren immer tief in jedem Prozess und allen Details unserer Projekte involviert. Wir haben in jedem St. Oberholz bei der Renovierung mitgeholfen.

Das heisst, ihr wart dort selbst am Werkeln?

Ja. Wir haben zu allem und allen, die uns geholfen haben, einen engen Bezug. Mit unserer Innenarchitektin Astrid Pankrath habe ich über die Jahre eine intensive Bindung aufgebaut. Wir denken oft das gleiche und verstehen uns ohne Worte. Bis heute arbeiten wir mit den gleichen Handwerkern zusammen. Viele sind mit uns gemeinsam gewachsen.

Da kommt für mich plötzlich nochmal eine ganz andere Wertschätzung zu Tage. Vielleicht ist es aber auch genau das, was hintergründig wirkt und wahrgenommen wird. Denn ich habe in Gesprächen immer wieder gehört, wie sehr diese Räume eine Rolle spielen. Ist dir das bewusst?

Mein intuitives Raumgefühl springt in jedem leeren Raum an. Ich sauge immer auf – egal ob ich in meinen eigenen Räumen oder fremden. Ich liebe die Inspiration, die mir so begegnet und zufällt. Ich sammle in meinem inneren Ordner. Es entsteht meist ein Mix aus persönlichen Vorlieben, meinem kreativen Speicher und der Geschichte eines Raumes. Dass wir damit unsere Gäste erreichen, erfüllt mich.

Immer wieder taucht das Oberholz am Rosenthaler Platz als erster Erinnerungsort auf. Du hast diesen Ort ja in einem Zustand betreten, den nur ganz wenige mit dir teilen. Wie war diese erste Begegnung?

Ich erinnere mich sehr genau. In dem Moment, an dem ich die Räume betrat, wollte ich schon wieder raus. Dort war zu diesem Zeitpunkt noch eine Tabledance Bar. Ich hatte überhaupt keinen Bezug zu diesem Ort und konnte mir nichts vorstellen. Was ich jedoch wahrgenommen habe, war die Energie dort, besonders vom Rosenthaler Platz selber. Zwischen Ansgar und mir ging es dann zwei Monate zwischen „natürlich-unbedingt…“ und „auf gar keinen Fall starten wir das“ hin und her. Wir erhielten ziemlich viel Gegenwind. Und es gab das eine wichtige Telefonat zwischen uns. Da waren wir uns einig, dass wir unserer Intuition vertrauen und es einfach versuchen müssen.

Wir haben sehr viel recherchiert und gelesen. Über das Haus, die Geschichte und die ursprüngliche Gestaltung der Räume, über die Aschinger-Brüder und ihre Unternehmen. Ein schönes Detail der Geschichte um die beiden ist, dass sich an diesem historischen Ort am Rosenthaler Platz stets viele Künstler*innen eingefunden haben, weil es immer kostenloses Brot gab.

Was für eine schöne Transformation! Die Künstler*innen bekamen das Brot umsonst und die digitale Bohème im Oberholz kostenlosen Zugang zu Wlan und Strom…

Ja, genau das wollten wir fortführen. Wir schenken die Arbeitsatmosphäre und alles andere, was für eine neue Form von Arbeit notwendig ist. Was uns aber noch viel mehr umgetrieben hat, ist der Wunsch, die Menschen zusammenzubringen. Menschen, die zufällig aufeinander treffen und sich doch den selben Ort ausgesucht haben. Bei uns können sie miteinander sein. Wir wollten einen beständigen Ort gestalten und damit auch unsere tiefe Verbindung zum Rosenthaler Platz symbolisieren.

Was natürlich auch bleibt, sind all die Geschichten und Zeiten, die wir erlebt haben. Vor 15 Jahren war es am Rosenthaler Platz deutlich familiärer. Und da kamen fast täglich Menschen vorbei, die uns ihre ganz persönlichen Erinnerungen erzählten. Zur Geschichte eines Hauses gehören eben die vielen, kleinen einzelnen Geschichten. Ich glaube, dass Erfolg auch von der Gabe abhängt, Vergangenheit und Gegenwart an einem Ort zu verweben. Wir werden durch unsere Gäste beschenkt, das ist für mich Antrieb, macht mich glücklich.

Ich möchte nochmal auf Berlin zurück kommen. Deine sehr offen gelebte und kommunizierte Verbundenheit fühlt sich wie ein notweniger Schlüssel in der Oberholz-Geschichte an. Wo begegnen wir der Koulla in den legendären Berlin-Jahren?

Mich hat der Ostteil der Stadt damals angezogen. Ich habe das nicht hinterfragt, es war einfach so. Da stimmte etwas mit meinem Selbst überein. Das Raue, Unfertige, das Schnörkellose und die Freiheit. Die Häuser waren nicht schön im herkömmlichen Sinne, aber für mich hatte das etwas Echtes. Ich bin dankbar, so früh nach Berlin gekommen zu sein und diese Phase der Stadt erleben zu dürfen. Berlin ist wie ein Kind, dem ich bei seinem Wachsen zuschaue. Ich bin dankbar, dass wir mit dem St. Oberholz mittendrin ein klein wenig Prägung stiften durften.

Ist dir bewusst, dass dieser sehr intime Zugang zu einem Ort eben auch möglich macht, sich den Veränderungen und Entwicklungen zu stellen?

Ich würde sagen Respekt ist das richtige Wort. Ansgar und ich spüren eine Demut Orten und Menschen gegenüber. Wir bewegen uns immer im Miteinander und für uns bringt das automatisch fast tägliche Veränderungen und Herausforderungen mit sich. Wir stehen heute da, weil wir alles genau so wollen.

Wie ich sehe und höre wächst das St. Oberholz kräftig. Ich habe acht Standorte insgesamt gezählt. Was bedeutet dieses starke Wachstum für dich persönlich? Welche Auswirkungen hat es auf deinen Einfluss auf Design und Raum?

Im vergangenen Sommer habe ich das Design für unser temporäres Projekt in der Wehrmühle in Biesenthal noch ein letztes mal im Ganzen ganz alleine übernommen. Ich wusste schon, dass das bis auf weiteres das finale Projekt ist, das ich persönlich ganz tief prägen werde. Bei der Gestaltung des Hauptgebäudes, des Appartmenthauses und des ehemaligen Sacklagers vor Ort, habe ich mich still von dieser Art Arbeit verabschiedet. Ich wusste, dass wir aufgrund unseres Wachstums und der vielen Orte, die wir noch formen werden, unsere Gestaltung in die Hände von Architekt*innen und Interior Designer*innen (Astrid Pankrath und Modiste) legen müssen. Wir haben in einem sehr bewussten Prozess die Gestaltungsprinzipien der St. Oberholz-DNA festgelegt und sind nun gespannt wie unsere Gäste und Coworker*innen den nächsten Evolutionsschritt des St. Oberholz Designs empfinden werden.

Der neue digitale Graben

Ansgar Oberholz über den Breitbandausbau und sogenannte Kreistreue.

Kreistreue ist ein junges deutsches Wort. Es ist der Fachbegriff für ein spezifisches Migrationsphänomen. Ziehen Menschen aus Städten in die Landkreise zurück, in denen sie geboren und aufgewachsen sind, so nennt man sie kreistreu. Wie jung das Wort ist, lässt sich daran erkennen, dass man bei einer Suche im Internet nur Einträge zu einer mathematisch-geometrischen Definition findet. Empirisch ist das Phänomen der Kreistreue noch nicht erfasst, anekdotisch ist aber bekannt, dass es sich bei den Kreistreuen meist um junge Familien handelt, die ihrer Tätigkeit fast völlig ortsunabhängig nachgehen können. Wissensarbeiter, Freelancer, Kreative. Nach der Geburt des ersten oder zweiten Kindes wird in der Metropole der Umzug in eine größere Wohnung nötig, aber gleichzeitig fast unmöglich, da Anforderungen an die Wohnung und die damit zusammenhängenden Kosten nicht miteinander vereinbar sind.

mehr

St. Oberholz öffnet weitere Standorte

Vor fünfzehn Jahren fing alles mit einem sehr besonderen Café-Konzept am Rosenthaler Platz an. Heute betreibt St. Oberholz vier Standorte und wird in den kommenden Monaten sechs weitere Standorte für die Berliner und Potsdamer wiederbeleben, die von Offenheit und leichter Zugänglichkeit geprägt sein werden. Für einige dieser sehr besonderen Orte, kann man schon jetzt Memberships oder Team-Offices buchen.

ST. KREUZBERG

ENDLICH. MITTE IN KREUZBERG.

Im gleichen klassischen Kreuzberger Fabrik-Loft-Gebäude in dem auch Freunde von Freunden ihren Friends Space in der Glogauer Straße betreiben, dürfen wir ab Februar einen Coworking Space über mehrere Etagen hinzufügen. Hier war bis 1999 der Kreuzberger Club “Turbine” mit dem KitKatClub untergebracht. Genau hier wurden in Berlin 1989 die ersten Acid House Partys gefeiert. Heute kann man ab sofort Memberships und Team Desks buchen. Der Beat klopft weiter. Wer Kreuzberger Fabrik-Loft-Klassik sucht, wird sie an diesem Ort finden.

OPENING FEBRUAR 2020.  St. Kreuzberg, Glogauer Straße 2, 10999 Berlin

 

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ST. KASTANIENALLEE

ENDLICH. CASTINGALLEE. 

 

Das versteckte ruhige Fabrikgebäude wurde 1887 für die Ventilationsfirma W. Hanisch & Cie. in Prenzlauer Berg errichtet. Sie lieferten in den 10er Jahren des letzten Jahrhunderts den innovativen Archimedes Propeller für Dampfturbinen. Ab März 2020 kann man hier Private Team Offices, Team Desks und Memberships nutzen. Mit einem Garten und klassischen Berliner Kappendecken.

 

OPENING MäRZ 2020.  Kastanienallee 84, 10435 Berlin

 

 

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ST. ROSA-LUXEMBURG-PLATZ

ENDLICH. NOCH MEHR ST. OBERHOLZ AUF DER TORTRASSE. 

 

Das Schönhauser Tor an der Ecke zur Torstraße wirkt surreal, ein wenig aus der Zeit gefallen. Außen 90er Jahre, im Gebäudekern die 20er des letzten Jahrhunderts. Genau dort, in der ehemaligen Apotheke eröffnet St. Oberholz ein weiteres Working Café im Erdgeschoss und im ersten Stock einen Coworking Space mit Blick auf die Kreuzung zur Schönhauser Allee und das neue Suhrkamp Verlagsgebäude. Wir verstehen diesen Standort als Erweiterung unseres Campus in Mitte, der sich damit über drei Häuser entlang der Torstraße erstreckt. Buchen kann man ab sofort Private Team Offices, Team Desks und Fixed Desks.

 

OPENING APRIL 2020.  St. Rosa-Luxemburg-Platz, Torstraße 49, 10119 Berlin